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Ein Praktikum bei Schnelles Grünzeug

Von 21. Januar 2020Januar 15th, 20211 Kommentar
Das Team um Schnelles Grünzeug samt einer Studentin im Praktikum

Themenfelder eines Praktikums

Anbausortiment und Verarbeitung

Die Gärtnerei bietet mit ihren Beschäftigungsfeldern ein sehr breites Themenspektrum, mit dem man sich innerhalb eines Praktikums sehr vielfältig befassen kann.

Sei es WAS wir machen – die speziellen Kulturen, die wir anbauen oder sammeln (essbare Wildkräuter, essbare Blüten, seltene Gemüsearten und -sorten) oder die spezielle Verarbeitung über die Milchsäurefermentation.

Kulturmethoden

Aber auch WIE wir es machen könnte Thema eines Praktikums sein. Die spezielle Art, wie wir unsere Arbeit organisieren bzw. wie wir den Betrieb aufgebaut haben – der Permakulturgedanke spielt bei uns eine ganz starke Rolle – ohne das man das sofort sieht. Meines Wissens war “Schnelles Grünzeug” der erste Permakulturbetrieb in Deutschland oder im deutschsprachigen Raum, der profitabel gearbeitet hat. Ich fürchte, wir sind auch immer noch der einzige. Wir schaffen das ohne einen angehängten Bildungsbetrieb oder die Ausbeutung von Praktikanten ;-).

Du wirst bei uns auch nicht die üblichen Monstranzen der Permakultur deutscher Prägung finden: es gibt keine Kräuterspirale, keine Mandala oder -hochbeete und keinen Waldgarten. Auch keine Sonnenfallen oder Hühnergewächshäuser. Und wir tanzen auch keine Kreise bevor wir zur Arbeit gehen. (Merkt man eigentlich, dass mein Verhältnis zur Szene ist nicht ganz ungetrübt ist? 😉 Sie war mir einfach viel zu lange zu wenig praxisorientiert – aber es bessert sich, darum oben auch der link zur deutschen Permakultur-Homepage)

Die Gärtnerei ist in ihren Abläufen sehr stringent organisiert ist. In ihr arbeiten wir mit einem System, bei der parallel zur Gemüseproduktion ein Humusaufbau betrieben wird, der ohne große Stoffimporte und ohne größere Kompostproduktion auskommt. Das gibt es normalerweise gar nicht, denn normalerweise sind Gemüsegärtnereien Humuszerstörer und verlangen den Import großer Mengen organischen Materials.

Man kann bei uns rollbare Folienhäuser mit all ihren Vorteilen kennenlernen und erleben. Wir werden peu a peu Tiere und Gehölze ins Gärtnereisystem integrieren und auch Wildblumenwiesen. All dies immer auch mit einem Blick auf die Ökonomie. Natürlich wird dabei das Tierwohl weit oben stehen – denn nur wenn sie sich wohlfühlen, werden sie uns Produkte liefern, die unserem hohen Qualitätsanspruch gerecht werden. Die anstehenden Gehölzpflanzungen erfolgen unter dem Blickwinkel des Klimawandels, der Stoffkreisläufe, der Schaffung von ökologischen Nischen und auch hier wieder unter dem der Wirtschaftlichkeit.

Was, Wann?

Jede Jahreszeit hat andere Tätigkeitsschwerpunkte. Hier ein kleiner Überblick

Januar

Hier lassen wir uns etwas Zeit. Die Arbeit beginnt nicht vor Mitte Januar. In diesem Monat besteht sie im Wesentlichen aus dem Verpacken der reifen Fermente sowie im Bearbeiten der Bestellungen aus dem Online-Shop und aus dem Handel.

Im Freiland schneiden wir Gehölze zurück, räumen weiter auf, reparieren Maschinen und Werkzeug.

Februar

Dies ist der Start der Gartensaison. Langsam zwar aber es geht definitiv los. Wir machen erste Aussaaten (in sehr kleinem Rahmen, da wir das meiste Gemüse in einer befreundeten Jungpflanzengärtnerei anziehen lassen). Ende des Monats machen wir aber auch eigene Aussaaten und erste Anpflanzungen in unseren rollbaren Folientunneln.

Ansonsten wird weiter in der Fermentemanufaktur gearbeitet. Verpacken und Versand sind die Schwerpunkte.

März

Mit der Forsythienblüte beginnt die Freiluftsaison. Nun kommen auch die Mitarbeiterinnen in die Gärtnerei zurück, die bis jetzt in der Winterpause waren.
Wir ersten die ersten Wildkräuter, pflanzen und säen – nun auch im Freiland – sofern das Wetter warm genug ist und das ist der Fall, wenn die Forsythie blüht…

Die anderen Arbeiten gehen in der Manufaktur weiter.

April – September

Das sind die Monate mit großer Routine im gärtnerischen Bereich. Regelmäßig wird gesät, gepflanzt, gemulcht, alte Gründüngung eingearbeitet, neue Gründüngung ausgebracht. Wir setzen Komposttees an, arbeiten mit Pflanzenfermenten.

Wir ernten, wir versenden, wir verarbeiten.

Abends gehen wir baden oder paddeln auf Recknitz und Trebel.

Oktober bis Dezember

Nun wird geerntet und fermentiert. Und es werden auch wieder verstärkt Fermente verpackt und versandt.

Praktikumsbedingungen

Wenn Sie all das interessiert, können Sie bei uns gern ein Praktikum machen. Allerdings gibt es ein “Aber”. Bzw. mehrere.

Dieses Praktikum sollte mindestens 2 Monate dauern. Wir bieten es als Minijob an. Wir bezahlen also monatlich 450 Euro.

Seit September 2020 haben wir im Nachbarort eine Drei-Raum-Neubau-Wohnung angemietet, die wir unseren PraktikantInnen in Form einer WG zur Verfügung stellen. Die Miete dafür verrechnen wir mit den 450 Euro. Das sind 117,50 Euro pro Person. Jede Person bekommt ihr eigenes Zimmer. Küche und Bad müssen sich geteilt werden, alle 2 Wochen muss im Treppenhaus gefegt oder gewischt werden.
Im Moment sind die Zimmer noch eher spartanisch möbliert, aber es gibt Betten, Regale, Tische, Stühle etc..

Auch um die Verpflegung muss sich jede und jeder selbst kümmern. Natürlich gibt es in der Wohnung eine Küche samt Kühlschrank und ein Bad samt Badewanne.

Eine Waschmaschine gibt es in der Gärtnerei – die kann genutzt werden.

Leider ist der Handy-Empfang in der Wohnung äußerst schlecht und es gibt dort noch keinen Internetzugang.

Im Büro der Gärtnerei kann WLAN das aber problemlos mitgenutzt werden. Allerdings ist dort das Datenvolumen von monatlich 15GB relativ schnell verbraucht. Video-Konferenzen oder heftiges Streamen sind also eher schwierig.

PraktikantInnen bekommen bei uns eine intensive Begleitung und es wird regelmäßig Runden geben, in denen wir die theoretischen Hintergründe unseres Tuns erläutern und wir natürlich versuchen wir alle Fragen zu beantworten – im Vordergrund aber steht das Begreifen, das aktive Tun, das Üben.

Das Praktikum wird Sie also den Alltag einer Gärtnerei sehr intensiv erleben lassen. Sie werden sich auf diese Art klar werden, ob Ihnen die Arbeit im Freien liegt. Sie werden sehen, wie abwechslungsreich sie ist, wie anspruchsvoll das Führen einer Gärtnerei ist. Wie komplex die Zusammenhänge sind. Und manchmal auch, wie knochenhart es ist, bei Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt im Wind und Regen zu ernten oder bei über 30 Grad im Folientunnel zu arbeiten.

Wir nehmen auch keine Kolonnen von PrakitkantInnen auf. Maximal drei zur selben Zeit.

Kurzpraktikum?

Kurzpraktika sind nicht möglich. Hier steht Aufwand und Nutzen für niemanden in einem guten Verhältnis. Kurzprakitika betrachten wir als Workshops. Die müssten eigentlich Geld kosten. Aber das haben wir nicht als Geschäftsmodell. Unseres ist, Lebensmittel zu produzieren.

Erfahrungsberichte:

Wir haben bisher 5 Praktikantinnen sehr erfolgreich betreut. Mittlerweile denke ich auch daran, Erfahrungsberichte zu erbitten. Diese findet ihr hier.

Melanie war im Sommer 2019 bei uns. Sie schrieb folgendes:

Praktikumsbericht

Ausgehend von meinem agrarwissenschaftlichen Studium, wollte ich in meinen Semesterferien meine praktischen Kenntnisse bezüglich der Pflanzenproduktion erweitern. Wichtig war und ist mir hierbei die biologische und/oder die permakulturelle Anbau- sowie letztlich auch Denkweise. So bin ich im Internet auf Olaf Schnelle und seine Gärtnerei „Schnelles Grünzeug“ gestoßen und habe mich über die schnelle Zusage für ein Praktikum sehr gefreut.

In den 2 Monaten, welche ich in der Gärtnerei verbringen durfte, habe ich in fast allen Bereichen des Betriebs arbeiten können. Dabei war es besonders interessant ein Beet in allen Phasen sehen und bearbeiten zu können – so war ich bei der Ernte, Bodenbearbeitung, Neuaussaat bzw. Pflanzung, bei der Beetpflege sowie erneuter Ernte beteiligt.

Insbesondere bei der Ernte für Olafs Kunden aus der Gastronomie habe ich viel Neues erfahren, zum Beispiel das Radieschenschoten und Vogelbeeren ess- und nutzbar sind. Zudem habe ich viele Dinge, von denen ich theoretisch schon viel gehört und gelesen hatte, nun auch praktisch erfahren können, wie das Ansetzen und Ausbringen von Kompost-Tee.

Des Weiteren habe ich auch in dem Bereich der Fermentation gearbeitet. Neben dem Abpacken des fermentierten Gemüses habe ich bei vorbereitenden Schritten, der Produktion sowie im Versand mitgeholfen. Nebenbei blieb auch noch Zeit die Produkte zu kosten und so zu erfahren, wie Fermente von Karotte mit Holunder oder Weiße Beete mit Lavendel schmecken – für mich als Hobby-Köchin durchaus ein Highlight des Praktikums und eine Anregung mich nun auch mehr privat mit dem Fermentieren zu beschäftigen.

Etwas schade war, dass Olaf erkrankt war. So hatte ich relativ wenig Kontakt zu Olaf selbst. Darum konnte ich von seinem Gärtnerwissen weniger als möglich schöpfen. Für Fragen war Olaf aber immer offen und auch die Mitarbeiter der Gärtnerei und der Fermentation waren durchweg freundlich und hilfsbereit.

Ich habe meine Zeit bei „Schnelles Grünzeug“ sehr genossen und konnte vieles für meine weitere berufliche Laufbahn lernen.


Anmerkung von Olaf: Ich will mich an dieser Stelle mal ganz herzlich bei Melanie und Sophie bedanken. Sophie war im Sommer 2018 bei uns. Ich bin immernoch sehr von dem Einsatz begeistert, den beide zeigten. Überhaupt bin ich in den letzten paar Jahren sehr optimistisch bekommen, dass der GärtnerInnen-Beruf wieder Zulauf von unglaublich motivierten jungen Menschen bekommt.

Vielleicht ist die Betriebsfortführung meiner Gärtnerei in ein paar Jahren auch nach meinem Ausscheiden eine Option… Dazu später mehr an dieser Stelle.

Christiane war von Anfang September bis Ende Oktober 2020 bei uns.

Sie schrieb folgendes:

Vermutlich bin ich eher nicht die typische Praktikantin auf so einem Hof, zumal wohl eher junge Studentinnen den Weg zu Olaf finden.

Vor zwei Jahren habe ich eine Ausbildung in Permakultur-Design gemacht und bereits mehrere Kurse bei PIA (Permakultur im Alpenraum) im Allgäu besucht. Mir fehlte es aber eindeutig an praktischer Erfahrung. Die wollte ich gern auf einem wirtschaftlich ausgerichteten und innovativen Hof machen, der bestehende Dogmen der Permakultur-Szene pragmatisch auslegt. In dieser Hinsicht hebt sich ‚Schnelles Grünzeug‘ deutlich von seinen ‚Kollegen‘ ab.

Was mich am meisten faszinierte?

Das waren die rollenden Gewächshäuser, die vegane Düngung ohne Kühe-, Pferde- oder Hühnermist, die verhältnismäßig günstigen Bodenmaschinchen, die vor allem häckseln und untermischen können. Das waren die vielen eher ungewöhnlichen Gemüsesorten die da wachsen wie Gelbe Bete oder wunderschön gemusterte Asia-Rettiche. Das waren die schlau und günstig umgesetzten ‚Apparate‘ wie u.a. zum Beblubbern und Säubern von Gemüse und Steinen. Das war vor allem auch die ‚Fermente-Kiste‘ und alles, wirklich alles rund um die Fermentation von Spitzkohl, Bete und Co.

Und was mir besonders gut tat war, dass ich überall mit dabei sein konnte und nicht alles perfekt sein musste, im Gegenteil!

Alles, was ich an Lebensmittel zum Leben brauchte und wollte, konnte ich mitnehmen und mir z.B. mit Bratkartoffeln und ‚Goldenem Sauerkraut‘ abwechslungsreiche leckere Abendessen zaubern.

Auch wenn Olaf immer wieder betont, dass er die ‚esoterischen‘ Aspekte der Permakultur-Bewegung ablehnt, kann er (noch) nicht erkennen, dass er weitaus spiritueller unterwegs ist, als ihm bewusst ist. Wertschätzung und Respekt sind Grundbedürfnisse, die jeder von uns hat. Olaf versteht es, seinen MitarbeiterInnen genau das zu geben und damit eine gute Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Er ist unkompliziert und geradeheraus … und hat immer ein offenes Ohr, auch für seine Praktikantinnen.

Mein persönlicher Traum ist eine weitgehend autarke Lebens- und Arbeitsgemeinschaft auf den Prinzipien der Permakultur aufzubauen und zu leben, die uns und andere in diesen unsicheren Zeiten des Wandels nachhaltig trägt. Dazu gehört ganz oben eine Gärtnerei mit lebendiger Nahrung.

Wer von der Theorie ins Handeln kommen und seinen Permakultur-Träumen auf ganz praktische Weise näher kommen will, ist hier bestens aufgehoben. Denn es kommt nicht darauf an, viel zu machen, sondern viel mehr die richtigen Dinge bei einem richtigen Experten.

Mein Dank geht neben Olaf auch an die wundervollen Menschen, die derzeit bei ihm arbeiten: Michel, Renate, Sybille und Marina.

Christiane Hohl
TRUE HEALTH Expertin
Ziegelstr. 24/1
71063 Sindelfingen
mobil 0171 4538160

www.christiane-hohl.com


Anmerkung von Olaf: Vielen Dank auch an Dich, liebe Christiane! Was haben wir uns am Anfang gezankt… Und wie gut, dass wir das bewältigt haben! Neben Deiner Hilfe verdanke ich Dir spannende Gespräche über Gott, die Welt und alles dazwischen. Und jede Menge Spaß war auch dabei…
Das war echt schön!

Aktuelle Termin-Möglichkeiten

Wir können hier zeitgleich höchstens 2 Praktikantinnen betreuen bzw. Wohnraum bieten.

Folgende Termine sind in 2021 möglich bzw. eben nicht:

Januar

 

Februar

alles belegt (NJ, VP)

März

alles belegt (NJ, VP)

April

alles belegt (NJ, MG)
1 x “extern” (EZ)

Mai

alles belegt (NJ, MG)
2x “extern” (EZ, MS)

Juni

2x belegt (NJ, MG)
1x “extern” (MS)
1x angefragt (LV)

Juli

2 x angefragt (LV, VE)

August

2 x angefragt (SR, VE)

September

1 x angefragt (SR)

Oktober

1 x angefragt (SR)

November

alles frei

Dezember

alles frei

Olaf Schnelle

Olaf Schnelle

Ich bin Gärtner. Für mich hätte es keinen besseren Beruf geben können. So eng mit der Natur zu arbeiten und dabei sinnvoll Produktives zu tun, ist ein richtig schönes Ding. Nahrungsmittel zu schaffen, die diesen Namen im wörtlichen Sinne verdienen, ist ein essentieller Prozeß. Mein Anliegen ist, dies so zu tun, dass kreative Köche damit etwas schaffen, das für mich viel mit Kunst zu tun hat.

Ein Kommentar

  • Avatar Christine Knaus-Kollert sagt:

    Hallo Olaf, bin gerade eben bei der Suche nach rotem Rosenkohl auf deine Seite gestoßen.
    … und bin begeistert!
    Ich bin selber Hobbygörtnerin, von Selbstversorgung weit entfernt, aber im Sommer klappt es schon gut.
    Freue mich gerade an Feldsalat, der sich selbst ausgesäät hat, ärgere mich über Graswuchs, den ich mit Raseschnittmulch in den ersten Jahren ausgesäät habe. Genieße meine morgendliche Garzenmeditation mit Blick auf Obstbäume und Bienenkästen, bevor der Alltagswahnsinn mit demenzkranker Mama, pubertierenden Sohn und Berufstätigkeit den Tag bestimmen.
    Freue mich auf dein Newsletter.
    Frohes Schaffen, weiterhin gute Ideen und bleib gesund.
    Herzliche Grüße aus dem Allgäu,
    Christine

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