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Ein Praktikum bei Schnelles Grünzeug

Von 21. Januar 2020Oktober 26th, 20201 Kommentar
Das Team um Schnelles Grünzeug samt einer Studentin im Praktikum

Themenfelder eines Praktikums

Anbausortiment und Verarbeitung

Die Gärtnerei bietet mit ihren Beschäftigungsfeldern ein sehr breites Themenspektrum, mit dem man sich innerhalb eines Praktikums sehr vielfältig befassen kann.

Sei es WAS wir machen – die speziellen Kulturen, die wir anbauen oder sammeln (essbare Wildkräuter, essbare Blüten, seltene Gemüsearten und -sorten) oder die spezielle Verarbeitung über die Milchsäurefermentation.

Kulturmethoden

Aber auch WIE wir es machen könnte Thema eines Praktikums sein. Die spezielle Art, wie wir unsere Arbeit organisieren bzw. wie wir den Betrieb aufgebaut haben – der Permakulturgedanke spielt bei uns eine ganz starke Rolle – ohne das man das sofort sieht. Meines Wissens war “Schnelles Grünzeug” der erste Permakulturbetrieb in Deutschland oder im deutschsprachigen Raum, der profitabel gearbeitet hat. Ich fürchte, wir sind auch immer noch der einzige. Wir schaffen das ohne einen angehängten Bildungsbetrieb oder die Ausbeutung von Praktikanten ;-).

Du wirst bei uns auch nicht die üblichen Monstranzen der Permakultur deutscher Prägung finden: es gibt keine Kräuterspirale, keine Mandala oder -hochbeete und keinen Waldgarten. Auch keine Sonnenfallen oder Hühnergewächshäuser. Und wir tanzen auch keine Kreise bevor wir zur Arbeit gehen. (Merkt man eigentlich, dass mein Verhältnis zur Szene ist nicht ganz ungetrübt ist? 😉 Sie war mir einfach viel zu lange zu wenig praxisorientiert – aber es bessert sich, darum oben auch der link zur deutschen Permakultur-Homepage)

Die Gärtnerei ist in ihren Abläufen sehr stringent organisiert ist. In ihr arbeiten wir mit einem System, bei der parallel zur Gemüseproduktion ein Humusaufbau betrieben wird, der ohne große Stoffimporte und ohne größere Kompostproduktion auskommt. Das gibt es normalerweise gar nicht, denn normalerweise sind Gemüsegärtnereien Humuszerstörer und verlangen den Import großer Mengen organischen Materials.

Man kann bei uns rollbare Folienhäuser mit all ihren Vorteilen kennenlernen und erleben. Wir werden peu a peu Tiere und Gehölze ins Gärtnereisystem integrieren und auch Wildblumenwiesen. All dies immer auch mit einem Blick auf die Ökonomie. Natürlich wird dabei das Tierwohl weit oben stehen – denn nur wenn sie sich wohlfühlen, werden sie uns Produkte liefern, die unserem hohen Qualitätsanspruch gerecht werden. Die anstehenden Gehölzpflanzungen erfolgen unter dem Blickwinkel des Klimawandels, der Stoffkreisläufe, der Schaffung von ökologischen Nischen und auch hier wieder unter dem der Wirtschaftlichkeit.

Praktikumsbedingungen

Wenn Sie all das interessiert, können Sie bei uns gern ein Praktikum machen. Allerdings gibt es ein “Aber”. Bzw. mehrere. Dieses Praktikum sollte mindestens 2 Monate dauern. Wir bieten es als Minijob an. Wir bezahlen also monatlich 450 Euro. Seit September 2020 haben wir im Nachbarort eine Drei-Raum-Neubau-Wohnung angemietet, die wir unseren PraktikantInnen in Form einer WG zur Verfügung stellen. Die Miete dafür verrechnen wir mit den 450 Euro. Das sind 117,50 Euro pro Person. Jede Person bekommt ihr eigenes Zimmer. Küche und Bad müssen sich geteilt werden, alle 2 Wochen muss im Treppenhaus gefegt oder gewischt werden.
Im Moment sind die Zimmer noch eher spartanisch möbliert, aber es gibt Betten, Regale, Tische, Stühle etc..

Auch um die Verpflegung muss sich jede und jeder selbst kümmern. Natürlich gibt es in der Wohnung eine Küche samt Kühlschrank und ein Bad samt Badewanne. Eine Waschmaschine gibt es in der Gärtnerei – die kann genutzt werden.

PraktikantInnen bekommen bei uns eine intensive Begleitung und es wird regelmäßig Runden geben, in denen wir die theoretischen Hintergründe unseres Tuns erläutern und wir natürlich versuchen wir alle Fragen zu beantworten – im Vordergrund aber steht das Begreifen, das aktive Tun, das Üben.

Das Praktikum wird Sie also den Alltag einer Gärtnerei sehr intensiv erleben lassen. Sie werden sich auf diese Art klar werden, ob Ihnen die Arbeit im Freien liegt. Sie werden sehen, wie abwechslungsreich sie ist, wie anspruchsvoll das Führen einer Gärtnerei ist. Wie komplex die Zusammenhänge sind. Und manchmal auch, wie knochenhart es ist, bei Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt im Wind und Regen zu ernten oder bei über 30 Grad im Folientunnel zu arbeiten.

Wir nehmen auch keine Kolonnen von PrakitkantInnen auf. Maximal drei zur selben Zeit.

Kurzpraktikum?

Kurzpraktika sind nicht möglich. Hier steht Aufwand und Nutzen für niemanden in einem guten Verhältnis. Kurzprakitika betrachten wir als Workshops. Die müssten eigentlich Geld kosten. Aber das haben wir nicht als Geschäftsmodell. Unseres ist, Lebensmittel zu produzieren.

Ein Erfahrungsbericht

Wir haben bisher 2 Praktikantinnen sehr erfolgreich betreut. Leider habe ich nur einmal dran gedacht, einen Erfahrungsbericht zu verfassen. Er stammt von Melanie aus dem Sommer 2019:

Praktikumsbericht

Ausgehend von meinem agrarwissenschaftlichen Studium, wollte ich in meinen Semesterferien meine praktischen Kenntnisse bezüglich der Pflanzenproduktion erweitern. Wichtig war und ist mir hierbei die biologische und/oder die permakulturelle Anbau- sowie letztlich auch Denkweise. So bin ich im Internet auf Olaf Schnelle und seine Gärtnerei „Schnelles Grünzeug“ gestoßen und habe mich über die schnelle Zusage für ein Praktikum sehr gefreut.

In den 2 Monaten, welche ich in der Gärtnerei verbringen durfte, habe ich in fast allen Bereichen des Betriebs arbeiten können. Dabei war es besonders interessant ein Beet in allen Phasen sehen und bearbeiten zu können – so war ich bei der Ernte, Bodenbearbeitung, Neuaussaat bzw. Pflanzung, bei der Beetpflege sowie erneuter Ernte beteiligt.

Insbesondere bei der Ernte für Olafs Kunden aus der Gastronomie habe ich viel Neues erfahren, zum Beispiel das Radieschenschoten und Vogelbeeren ess- und nutzbar sind. Zudem habe ich viele Dinge, von denen ich theoretisch schon viel gehört und gelesen hatte, nun auch praktisch erfahren können, wie das Ansetzen und Ausbringen von Kompost-Tee.

Des Weiteren habe ich auch in dem Bereich der Fermentation gearbeitet. Neben dem Abpacken des fermentierten Gemüses habe ich bei vorbereitenden Schritten, der Produktion sowie im Versand mitgeholfen. Nebenbei blieb auch noch Zeit die Produkte zu kosten und so zu erfahren, wie Fermente von Karotte mit Holunder oder Weiße Beete mit Lavendel schmecken – für mich als Hobby-Köchin durchaus ein Highlight des Praktikums und eine Anregung mich nun auch mehr privat mit dem Fermentieren zu beschäftigen.

Etwas schade war, dass Olaf erkrankt war. So hatte ich relativ wenig Kontakt zu Olaf selbst. Darum konnte ich von seinem Gärtnerwissen weniger als möglich schöpfen. Für Fragen war Olaf aber immer offen und auch die Mitarbeiter der Gärtnerei und der Fermentation waren durchweg freundlich und hilfsbereit.

Ich habe meine Zeit bei „Schnelles Grünzeug“ sehr genossen und konnte vieles für meine weitere berufliche Laufbahn lernen.”

Ich will mich an dieser Stelle mal ganz herzlich bei Melanie und Sophie bedanken. Sophie war im Sommer 2018 bei uns. Ich bin immernoch sehr von dem Einsatz begeistert, den beide zeigten. Überhaupt bin ich in den letzten paar Jahren sehr optimistisch bekommen, dass der GärtnerInnen-Beruf wieder Zulauf von unglaublich motivierten jungen Menschen bekommt.

Vielleicht ist die Betriebsfortführung meiner Gärtnerei in ein paar Jahren auch nach meinem Ausscheiden eine Option… Dazu später mehr an dieser Stelle.

Olaf Schnelle

Olaf Schnelle

Ich bin Gärtner. Für mich hätte es keinen besseren Beruf geben können. So eng mit der Natur zu arbeiten und dabei sinnvoll Produktives zu tun, ist ein richtig schönes Ding. Nahrungsmittel zu schaffen, die diesen Namen im wörtlichen Sinne verdienen, ist ein essentieller Prozeß. Mein Anliegen ist, dies so zu tun, dass kreative Köche damit etwas schaffen, das für mich viel mit Kunst zu tun hat.

Ein Kommentar

  • Avatar Christine Knaus-Kollert sagt:

    Hallo Olaf, bin gerade eben bei der Suche nach rotem Rosenkohl auf deine Seite gestoßen.
    … und bin begeistert!
    Ich bin selber Hobbygörtnerin, von Selbstversorgung weit entfernt, aber im Sommer klappt es schon gut.
    Freue mich gerade an Feldsalat, der sich selbst ausgesäät hat, ärgere mich über Graswuchs, den ich mit Raseschnittmulch in den ersten Jahren ausgesäät habe. Genieße meine morgendliche Garzenmeditation mit Blick auf Obstbäume und Bienenkästen, bevor der Alltagswahnsinn mit demenzkranker Mama, pubertierenden Sohn und Berufstätigkeit den Tag bestimmen.
    Freue mich auf dein Newsletter.
    Frohes Schaffen, weiterhin gute Ideen und bleib gesund.
    Herzliche Grüße aus dem Allgäu,
    Christine

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