Meine Unkrauthacke steht fast das ganze Jahr in der Werkstatt. Und das, obwohl ich mir jedes Jahr mehrfach in großer Menge Unkrautsaatgut in die Beete verschleppe. Das ist keine Absicht von mir, sondern das nehme ich in Kauf, da ich großer Fan von Frischgrasmulch bin.

Ich mulche (fast) alle meine Kulturen mit diesem Rasenschnitt (ca. 6cm) hoch. Der enthält oft sehr viel Unkrautsaatgut. Das nehme ich in Kauf, denn die Vorteile überwiegen und man bekommt das Unkraut anderweitig in den Griff – eben genau durch dieses Mulchen und durch eine gescheite Saatbeetvorbereitung.

Mulchen mit frischem Rasenschnitt

Das Mulchen mit Rasenschnitt hat viele enorme Vorteile:

  • Es bedeckt die Erde und sorgt so für einen ausgeglicheneren Wasserhaushalt.
  • Es verhindert, dass die wertvolle Ackerkrume weggeweht oder bei einem Starkregen fortgespült wird.
  • Es füttert das Bodenleben. Das erzeugt eine stabile Krümelstruktur des Bodens. Genau das brauchen die Pflanzen zum gesunden Wachstum.
  • Da Rasenschnitt sehr eiweißreich ist, wird bei der Zersetzung Stickstoff frei – der kommt letztlich den Pflanzen zu gute. Die anderen Umsetzungsprodukte freilich auch.
  • Und nicht zuletzt hindert der Mulch, Unkrautsamen zur Keimung kommen zu lassen. Das Beet bleibt sauber.

Doch wie geht das nun konkret?

Saatbeet vorbereiten

Abgeerntete Beete mähe ich flach ab und fräse sämtliches organisches Material flach ein, nachdem ich es vorher mit selbst hergestellten Pflanzenfermenten eingesprüht habe. Maximal 5cm tief wird eingefräst. Nicht tiefer, damit wir nicht das Bodenleben vollkommen zerstören. Das ist enorm wichtig!

Vor dem Fräsen pudere ich die Fläche noch mit feinst vermahlener Kreide ein und mit Gesteinsmehl.
Dies liefert die Mikronährstoffe bzw. Spurenelemente, die es für ein gesundes Wachstum braucht.

Die Pflanzenfermente lenken das Bodenleben in eine günstige Richtung die Fäulnis vermeidet und biologisch Prozesse begünstigt, die die Umsetzungsprodukte besser pflanzenverfügbar machen.

Nun kommt es darauf an, was man weiter mit dem Beet vor hat. Eine direkte Neueinsaat empfiehlt sich erst nach einer Woche und nur mit extrem schnell keimenden Kulturen (Radies). Alles andere verunkrautet sonst sehr schnell.

Darum warte ich lieber zwei Wochen und säe dann ein. Das Unkraut im Beet ist dann schon prima in Keimstimmung, das soll es auch. Denn kurz bevor die eigentliche Gemüsesaat aufgeht, flamme ich das ganze Beet einmal ab. Da bin ich nicht stolz drauf und hoffe, dass ich auch das mal anderes hinbekomme, aber es ist nun mal so, dass das Gemüse auf diese Art in ein sauberes Beet. Die Kunst ist, so lange zu warten, dass das Gemüse eben gerade noch nicht seine Keimblätter aus der Erde schiebt. Ist dieser Zeitpunkt verpasst, ist die Kultur verdorben. Dann hat man keine Chance mehr, das Unkraut mit vernünftigem Aufwand in den Griff zu bekommen. Legt einfach ein Stück Plexiglas aufs Beet und kontrolliert TÄGLICH. Sobald darunter das Gemüse zu sehen ist, ist der Zeitpunkt für den Flammenwerfer gekommen. Ein Aufschub ist unmöglich. Am nächsten Tag ist das Gemüse auch auf der anderen Fläche zu sehen…

Ist aber alles gut gegangen und das Gemüse in das saubere Beet gekeimt, muss ich manchmal auch dann noch einmal mit der Hacke durch oder mit dem Striegel. Dann aber ist die Kultur groß genug, dass sie selber die Erde bedeckt oder dass sie gemulcht werden kann.

Wenn ich aber auf das Beet aber Jungpflanzen setzen möchte, tue ich das schon eine Woche nach dem es umgebrochen wurde. So halte ich die Phase der kahlen Erde kurz und mulche die Jungpflanzen sofort wie oben beschrieben. Oft war das der letzte Arbeitsgang vor der Ernte…

Silagefolie

Dann wässere ich alles gut und decke es mit lichtundurchlässiger Silagefolie ab. So kann das organische Material zersetzt werden und das Unkraut-Saatgut kommt in Keimstimmung. Dadurch, dass die Folie schwarz ist, wird es unter der Folie auch rasch warm, was den Keimungsprozess beschleunigt. Da die Folie aber kein Licht durch lässt, geht das gekeimte Unkraut sofort ein. Es wird zum Regenwurmfutter. Auf die Art erwischt man schonmal 80% des Unkrautpotentials.

Die Dauer, wie lange die Folie auf den Beeten liegt, hängt stark von der Jahreszeit ab. Je kälter es ist, um so länger liegt es drauf. Das kann also von Dezember bis März/April sein. Oder im Sommer nur 3 Wochen dauern.

Wichtig: da bei mir alle Beete gleich groß sind, kann ich diese Folie immer wieder verwenden. Das mache ich nun schon 4 Jahre mit der selben Folie. Diese wiederverwendbarkeit ist das mindeste, wofür man sorgen sollte, wenn man sieh diese Plastik in den Garten holt!

Anmerkung vom 22.10.2019: seit dem Frühjahr 2019 verwende ich diese Technologie nicht mehr. Sie war wirksam, aber sie baut Humus ab. Das will ich nicht mehr. Und die Plastik auch nicht.

Gründüngung

Ich halte alle Beete so lange es geht in Kultur. Abgeerntete Beete, von denen ich weiß, dass ich sie nicht innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen wieder in Kultur nehme, decke ich mit einer Mulchschicht ab oder – und das ist viel sinnvoller: ich säe sie mit einer Gründüngungssaat ein. Denn nirgends sind die humusaufbauenden Prozesse aktiver als an der lebenden Pflanzenwurzel. Und hier sind die Süßgräßer besonders hervorzuheben. Darum enthalten alle meine Mischungen verschiedene Getreidesorten. Sie sind als Mitglied der Süßgrasfamilie in der Lage, über ihre Wurzeln Zucker auszuscheiden. Das ist bestes Mikrobenfutter! Diese Mirkoben haben im Zusammenspiel mit den Wurzelausscheidungen der Pflanzen ein enormes Potential, im mineralischen Boden und aus den abgestorbenen Resten vorangegangener Pflanzengenerationen Nährstoffe zu lösen! Hier liegt das eigentliche Geheimnis einer gesunden Pflanzenernährung. Wir düngen also nicht unsere Pflanzen, wir füttern das Bodenleben.

Und da eine gesunde Ernährung immer eine möglichst große Vielfalt voraussetzt, muss die Gründüngungsmischung so vielfältig wie nur möglich sein. Und immer Süßgräser enthalten!

Für Kleingärtner biete ich solche Mischungen in meinem Shop an, da sie im Einzelhandel nicht verfügbar sind.

(Eine reine Leguminosenanbau oder andere beliebte Monokulturen mit Senf, Phacelia etc. ist also weitgehend wirkungslos, was den Effekt eines wirkungsvollen Humusaufbaus angeht.)

Ich verwende derzeit zwei Mischungen. Beide werden im Herbst ausgesät. Eie friert über den Winter ab. Sie verwende ich auf den Flächen, die früh wieder in Kultur genommen werden.

Die andere ist winterhart. Sie treibt im Frühjahr nochmal kräftig durch und wird dann runtergemäht, mir Fermenten eingesprüht und wie ein Ernterest (siebe oben) flach in die Erde eingearbeitet.

Natürlich kann man seine Beete auch im Frühjahr und Sommer mit solchen Gründüngungssaaten bestücken. Das ist vielleicht gerade am Anfang sehr sinnvoll, wenn man seine Beete das erste mal in Kultur nimmt. Das bringt das Bodenleben dann sehr schnell in Schwung – gerade, wenn man das zwei mal hintereinander macht. Und wenn man den Boden vor der Einsaat noch mit Kompost oder anderen sinnvollen Zuschlägen versieht. Ich selber mache das nicht mehr, da mein Boden in Schwung gekommen ist. Der nötige Aufwand reduziert sich also mit fortschreitender Bodengare.

Nur zur Not hacke ich noch ab und an. Wenn die Jugendentwicklung der Gemüsepflanze zu lang dauert und das Unkraut Gefahr läuft, zu groß zu werden.

Ansonsten hängt die Unkrauthacke tatsächlich fast das ganze Jahr in der Werkstatt.

Olaf Schnelle

Olaf Schnelle

Ich bin Gärtner. Für mich hätte es keinen besseren Beruf geben können. So eng mit der Natur zu arbeiten und dabei sinnvoll Produktives zu tun, ist ein richtig schönes Ding. Nahrungsmittel zu schaffen, die diesen Namen im wörtlichen Sinne verdienen, ist ein essentieller Prozeß. Mein Anliegen ist, dies so zu tun, dass kreative Köche damit etwas schaffen, das für mich viel mit Kunst zu tun hat.

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